Die Paderborn Prognose

Akte Paderborn 07

Ein Skandalklub wider Willen. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zum SC Paderborn 07.

↗ aktebundesliga.net Die ganze Bundesliga
SC Paderborn 07
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE PADERBORN" richtet sich an Lover und Hater des SC Paderborn 07. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

Ein Verein, den keiner auf dem Zettel hat — und der genau deshalb für Überraschungen gut ist. Bundesliga-Aufstieg 2014, Bundesliga-Aufstieg 2019. Dazwischen Skandale, Wettmanipulation und ein Hoyzer. Paderborn ist der Klub, der beweist, dass man auch aus der ostwestfälischen Provinz Geschichte schreiben kann.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Paderborn ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte Paderborn ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Der SC Paderborn 07 e.V., kurz: SC Paderborn oder einfach nur SCP, ist ein eingetragener Sportverein in Paderborn aus der Region Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen. Der heutige SC Paderborn 07 entsteht erst im Jahr 1985 – allerdings unter dem Namen TuS Paderborn-Neuhaus. Er bildet sich durch eine Fusion des TuS Schloß Neuhaus und des 1. FC Paderborn. Beide Vereine sind ebenfalls „Fusionsvereine".

Der erste Vorgängerverein wird im Jahr 1907 gegründet. 20 ostwestfälische Fußball-Aficionados gründen am 14. August 1907 den Fußballverein Arminia Neuhaus – den ersten Fußballverein im Kreis Paderborn. Dieser bildet einen von vier Vorläufern/Grundsteinen des heutigen SC Paderborn 07 e. V. Die anderen drei Urvereine, aus denen der heutige SC 07 (direkt oder indirekt) entsteht, sind der FC Preußen Paderborn von 1908, der 1907 gegründete SV 07 Neuhaus und der TuS Sennelager von 1910.

Bis 2005 tummelt sich der SC Paderborn durchgehend im Amateurfußball. Er spielt keine große Rolle im deutschen Fußball. Der Klub spielt in der Saison 2019/20 seine zweite Spielzeit in der Fußball-Bundesliga. Die erste Spielzeit in der Bundesliga ist die Saison 2014/15.

Die Vereinsfarben sind Blau und Schwarz. Die Heimspiele trägt der Verein in der Benteler Arena aus. Sie bietet 15.000 Zuschauern Platz. Zum 1. Juli 2019 hat der Verein 8.331 Mitglieder. Das Fußballunternehmen SC Paderborn 07 GmbH & Co. KGaA hat als Kommanditaktionär den SC Paderborn 07 e. V. und als Komplementärin die SC Paderborn 07 Management GmbH, deren 100 %-ige Gesellschafterin der SC Paderborn 07 e.V. ist.

SC Paderborn 07
Abb. 1.17.1 Trainer André Breitenreiter erhält eine Bierdusche während der Pressekonferenz im Anschluss an den 34. Spieltag der 2. Bundesliga im Mai 2014. Er weiß, warum. Foto: Imago Images/ Revierfoto Foto: Imago Images

Good to Know

Was wenige wissen

Zu trauriger Berühmtheit kommt der SC Paderborn am 21. August 2004 gegen den Hamburger SV. Im Pokalspiel der Ostwestfalen, damals noch im Stadion am Hermann-Löns-Weg, sorgt Schiedsrichter Robert Hoyzer (Berlin) für ein beabsichtigtes „Aus" des HSV.Paderborn 07 gewinnt mit 4:2, Hoyzer pfeift zwei sehr umstrittene Strafstöße und gibt einen noch umstritteneren Platzverweis gegen den HSV. Das ist bekannt. Weniger bekannt sind einige spezielle Details rund um den Skandal, die den Verein SC Paderborn 07, weitere DFB-Schiedsrichter, andere Spieler des SC Paderborn und Profis von Hertha BSC betreffen.

Robert Hoyzer steht seit Beginn der Saison 2002/03 auf der DFB-Schiedsrichter-Liste und hat in seiner Karriere bis zum 21. August 2004 zwölf Spiele der 2. Bundesliga, ferner Begegnungen im DFB-Pokal und in der Regionalliga geleitet. Zeitungen berichten direkt nach dem DFB-Pokalspiel Paderborn gegen den Hamburger SV, den folgenden Ermittlungen und dem Geständnis von Robert Hoyzer, dass der Schiedsrichter aus Berlin regelmäßige Kontakte zu kriminellen Kreisen gehabt habe. DFB-Pressechef Harald Stenger bestätigt schnell, es lägen Hinweise auf Verbindungen zu einer kroatischen Wettmafia ebenfalls aus Berlin vor. Mehrere Spiele seien systematisch manipuliert worden. Am 28. Januar 2005 werden vier Objekte in Berlin durchsucht und drei Verdächtige vorläufig festgenommen. Der ehemalige FIFA-Fußballschiedsrichter Hellmut Krug, Leiter der DFB-Schiedsrichterabteilung, kritisiert das Kontrollsystem des Verbandes, denn es sei dem DFB schon länger bekannt gewesen, dass Robert Hoyzer dubiose Entscheidungen getroffen habe. Im DFB-Pokalspiel zwischen Paderborn und Hamburg sei nicht einmal ein Schiedsrichterbeobachter im Stadion gewesen. „Die erste Runde im Pokal wird nie besetzt. Nur in der Bundesliga gibt es bei jedem Spiel Beobachter, die schriftliche Berichte anfertigen", so Krug.

Die Folgen der Manipulation des Pokalspiels sind gravierend. Der damalige Trainer des Hamburger SV Klaus Toppmöller verliert knapp zwei Monate nach der Niederlage seinen Trainerjob und macht in einem späteren Interview das verlorene Spiel gegen Paderborn mitverantwortlich. Der HSV legt nachträglich Protest gegen die Wertung des Spiels und die von Hoyzer verhängte Rote Karte gegen Emile Mpenza ein. Am 11. Februar 2005 entscheidet der DFB-Sportausschuss, dass es kein Wiederholungsspiel geben könne, da mittlerweile schon zwei weitere Runden im DFB-Pokal gespielt worden seien. Als Entschädigung werden dem Hamburger SV 500.000 Euro und Einnahmen von etwa 1,5 Mio. Euro aus einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft zugesprochen. Die Sperre von HSV-Stürmer Mpenza wird annulliert.

Die Geschehnisse um Robert Hoyzer und die negativen Folgen für den HSV sind hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist, dass der SC Paderborn nicht nur Opfer der Manipulation, sondern auch Profiteur und Täter ist. Denn trotz des manipulierten Sieges hätte der Verein auch DFB-Pokalsieger werden können. Er wird nicht aus dem Wettbewerb verbannt, sondern darf weiterspielen. Paderborn übersteht sogar die nächste Runde des DFB-Pokals und scheidet erst im Achtelfinale durch ein 1:4 nach Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg aus. Und nicht nur der Schiedsrichter Robert Hoyzer ist beim Pokalspiel zwischen Paderborn und dem HSV bestochen, auch SCP-Kapitän Thijs Waterink ist manipulationsbereit. Er nimmt 10.000 Euro Siegprämie im Voraus entgegen und schindet im Einvernehmen mit Hoyzer einen Elfmeter. Waterink verteilt das erhaltene Geld an die zumeist arglose Mannschaft des SCP. Als die Sache auffliegt, wird er bis Saisonende 2004/05 gesperrt und anschließend in seine niederländische Heimat „abgeschoben".

Was auch gerne übersehen wird: In den Skandal ist nicht nur Robert Hoyzer als Schiedsrichter verwickelt, sondern mehrere „Pfeifenmänner". Schiedsrichter Torsten Koop wird für drei Monate gesperrt, weil er einen Anwerbungsversuch von Robert Hoyzer erst verspätet beim DFB meldet. Der heutige FIFA-Referee Felix Zwayer wird sogar für sechs Monate gesperrt, weil er die ihm bekannten Spielmanipulationen von Hoyzer nicht dem DFB mitteilt und vor einem Spiel des Wuppertaler SV gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen 300 Euro von Hoyzer annimmt, um als Schiedsrichter-Assistent kritische Situationen für den Wuppertaler SV zu vermeiden. Der DFB verheimlicht zunächst das Urteil gegen Zwayer. Erst im Jahr 2014 wird die Sache bekannt. Transparenz im DFB-Stil!

SC Paderborn 07
Abb. 1.17.2 Die Mutter aller Skandalspiele im DFB-Pokal: Paderborn vs. Hamburger SV im Jahr 2004. Schiedsrichter Robert Hoyzer ist Zweiter von rechts. Foto: Imago Images/teutopress

Richtig mysteriös, weil auch bis zum Dezember 2019 niemals richtig aufgeklärt: Der Betrugsverdacht gegen drei Spieler von Hertha BSC aus der Bundesliga kann nicht erhärtet, aber auch nicht vollständig entkräftet werden. Die am 29. Januar 2005 festgenommenen Brüder Milan S. und Philip S. (Sie haben Robert Hoyzer bestochen) belasten die Spieler Alexander Madlung, Nando Rafael und Josip Šimunić. Sie hätten zu den Gästen des von Milan S. betriebenen Sportwetten-Café „King" in der Charlottenburger Rankestraße gehört. Das Pokalspiel zwischen Hertha BSC und dem damaligen Regionalligisten Eintracht Braunschweig am 22. September 2004 rückt in den Mittelpunkt der Ermittlungen, da beim Zweitrunden-Spiel in Braunschweig sowohl Rafael, Šimunić als auch Madlung zum Einsatz kommen und die Berliner überraschend mit 2:3 verlieren. Der entscheidende Treffer für Braunschweig fällt durch ein Eigentor in der 80. Minute. Der Eigentorschütze ist Alexander Madlung, der vier Minuten zuvor eingewechselt worden ist.

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Die Effenberg-Times: Die größte fußballerische Blamage des SC Paderborn stellt die Zweitliga-Saison 2015/16 unter Trainer Stefan Effenberg dar. Der Champions-League-Sieger von 2001 und Ex-Profi von Bayern München und Borussia Mönchengladbach wird – Interimstrainer nicht mitgerechnet – zum SCP-Trainer mit der schlechtesten Punkt-Ausbeute. In 15 Spielen unter der Regie von „Effe" holen die Paderborner nur 0,8 Punkte im Schnitt pro Spiel. Nur ein Jahr nach dem Bundesliga-Abenteuer stehen die oft belächelten Paderborner in der 2. Liga nach dem 0:4 gegen Union Berlin und nur einem Sieg aus den vorangegangenen 17 Spielen (!) auf einem Abstiegsplatz. Zweitliga-Legende Christian Beeck (u.a. Energie Cottbus) zeigt sich in einer SPORT1-Kolumne im April 2016 entsetzt: „Wer nach einem Abstieg in zwölf Monaten so eine Performance ablegt", schreibt Beeck, „der müsste eigentlich in die 3. Liga durchgereicht werden. Das hatte in dieser Saison mit Fußball überhaupt nichts zu tun." Hat es wirklich nicht. Am Saisonende geht der SCP als abgeschlagener Tabellenletzter mit nur 28 Punkten in die Drittklassigkeit.

Ganz Dortmund lacht über Paderborn: Dass Marvin Bakalorz BVB-Star Marco Reus am 22. November 2014 beim 2:2 im Bundesliga-Spiel in Paderborn so schwer foult, dass der Halbstürmer zum zweiten Mal in der Spielzeit mit Außenbandanriss im Sprunggelenk ausfällt, hat man in Dortmund nicht vergessen. So wird das DFB-Pokalspiel gegen die Ostwestfalen am 28. Oktober 2015 im Signal Iduna Park zum Fest für die Schwarzgelben. Trotz des 0:1 von Srdjan Lakic überrollt der BVB Paderborn und Trainer Stefan Effenberg – als Ex-Bayernspieler in Dortmund nie gut gelitten – mit 7:1. Es ist die bis dahin höchste Niederlage in allen Wettbewerben für den SCP im bezahlten Fußball!

Schlimmer geht immer: Mit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga (2016) ist für Paderborn das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Am 19. November 2016 setzt es beim Emporkömmling SF Lotte eine 0:6-Pleite, die höchste Niederlage für Paderborn in der 3. Liga!

„Ein tolles Erlebnis" hat der SC Paderborn in der Bundesliga alle zwei Wochen, wenn die Großen in die kleine Arena neben dem Möbelhaus kommen: Besonders freut man sich auf den Besuch des großen FC Bayern, der am 21. Februar 2015 vorbeischaut und mit 6:0 gewinnt. Die Atmosphäre in der Benteler Arena hat etwas von einem Pokalspiel eines absoluten Außenseiters gegen die Bayern und SCP-Coach André Breitenreiter freut sich anschließend über „ein tolles Erlebnis". Die Trikots und die Autogramme der Bayern-Stars sollen an diesem Tag in Paderborn wichtiger gewesen sein als die Leistung auf dem Rasen. Ärgerlich.

Die Zweitliga-Saison 2015/16: Die Saison 2015/16 hält für Paderborn mehrere Negativ-Werte bereit. Dazu gehört auch die höchste Zweitliga-Niederlage. Ein 0:6 beim SV Sandhausen in der beschaulichen Kurpfalz, Mahlzeit! Damit ist das 0:6 in Aue (2008) eingestellt.

SC Paderborn 07
Abb. 1.17.3 Nichts zu holen gegen Borussia Dortmund für den SC Paderborn im DFB-Pokal in der Saison 2015/16. Foto: Imago Images/ Sven Simon

Weitere Fremdschäm-Rekorde aus jener Saison – sehr zur Freude der Kritiker, die den Klub aus Ostwestfalen ohnehin wohl nie so richtig ernst genommen haben:

Die schlechteste Punkt-Ausbeute im Profi-Fußball: 28 Zähler.

Die schlechteste Platzierung: Rang 18 – das gibt es in Paderborn zweimal in Folge. 2014/2015 in der Bundesliga und ein Jahr später in Liga 2.

Die wenigsten Siege: Nur sechsmal dürfen die Fans der Schwarz-Blauen einen „Dreier" bejubeln. Union Berlin, der Karlsruher SC, Eintracht Braunschweig und der FSV Frankfurt (alle jeweils 0:2), Fortuna Düsseldorf (1:2) und der FC St. Pauli (3:4) gehören zu den wenigen Gönnern des SCP.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Tor-Fabrik Paderborn: Die Saison 2017/18 sieht einen unglaublichen Sturmlauf der Paderborner. Trainer Steffen Baumgart lässt seine Jungs einfach losstürmen. 90 Tore bedeuten in der Drittliga-Spielzeit einen neuen Vereinsrekord. Mittelstürmer Sven Michel wird mit 19 Treffern bester Schütze im SCP-Team.

Aufstieg in die Bundesliga: Der größte Erfolg gelingt dem SC Paderborn 2014 und erneut 2019 mit dem Aufstieg in die -Bundesliga. Die Besonderheit beim zweiten Aufstieg 2019 besteht darin, dass dem Team von Trainer Steffen Baumgart damit der Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga gelingt.

Tabellenführer: Nach dem ersten Aufstieg von Paderborn in die Bundesliga steht man 2014 nach vier Spieltagen auf Rang 1 und nach 34 Spieltagen auf Platz 18. Ein Faktum, das man in Paderborn anschließend nicht wahrhaben will. „Wir waren nicht die schlechteste Mannschaft", so Kapitän Uwe Hünemeier. Und Torhüter Lukas Kruse, der 65 Gegentore kassiert, sagt in einem Kicker-Spezial zur Saison 2014/15: „Es war einfach ein unnötiger Abstieg. Wir gehören nicht in die 2. Liga, nicht dieses Jahr, wir haben es einfach nicht verdient."

Viertelfinale: Zweimal in Folge, 2018 und 2019, steht der SCP im Viertelfinale des DFB-Pokals. Das bedeutet jeweils Vereinsrekord. Trotz Heimrechts ist dann aber Endstation – gegen den FC Bayern München (0:6) und ein Jahr später gegen den Hamburger SV (0:2).

Als Tabellenführer nach München: So etwas hat die Bundesliga lange nicht gesehen. Am 4. Spieltag von Paderborns Premieren-Saison 2014/15 stehen die Ostwestfalen mit je zwei Siegen und Remis an der Tabellenspitze – und fordern den großen FC Bayern im Topspiel in der Allianz Arena heraus. Am 23. September 2014 sieht die Liga das vielleicht schrägste Spitzenspiel zwischen dem Tabellenvierten (!) FC Bayern und dem Spitzenreiter Paderborn. 564 Mio. Euro Kaderwert treffen auf 22,5 Mio. Euro. Zweimal Mario Götze, Robert Lewandowski und Thomas Müller beenden mit 4:0 (2:0) die Episode Paderborn als Spitzenreiter und geben die Tabellenführung danach nicht mehr ab.

SC Paderborn 07
Abb. 1.17.4 Spitzenspiel gegen den FC Bayern. Der kurze Aufstieg des SCP zur Bundesliga-Topmannschaft im Herbst 2014. Foto: imago Images/ Sven Simon

Der Jahrhundert-Treffer: 82,3 Meter – aus dieser Torentfernung nimmt Moritz Stoppelkamp am 20. September 2014 im Bundesliga-Heimspiel gegen Hannover 96 (2:0) Maß – und trifft. Nie zuvor ist ein Bundesligatreffer aus größerer Distanz erzielt worden „Ich habe das von Ron-Robert Zieler verlassene Tor gesehen", beschreibt Stoppelkamp, nach dessen Tor übrigens eine Allee auf dem Weg zum Stadion benannt wird, später im „Kicker" seinen historischen Treffer, „da habe ich mir gedacht: ziehst einfach mal ab."

Party in Hamburg: Der höchste Bundesliga-Sieg: Nein, damit haben die leidgeprüften Anhänger des Hamburger SV am 30. August 2014 nicht gerechnet. Nach dem gerade per Auswärtstor-Regel vermiedenen Abstieg in der Relegation gegen die Spvgg. Greuther Fürth (0:0 / 1:1) sind 54.553 HSV-Anhänger in den Volkspark gepilgert. Viele von ihnen verlassen ab der 69. Minute fluchtartig die Arena. 0:2 steht es durch Tore von Elias Kachunga und Mario Vrancic. Moritz Stoppelkamp (87.) macht mit dem 0:3 die Blamage für die Hanseaten perfekt. Es ist der bis Dezember 2019 höchste Paderborn-Sieg in der Bundesliga in einem fremden Stadion.

Platz 18 und doch drin – dank „Löwen"-Lizenzentzug! Danke, 1860 München! Das dürften wohl viele SCP-Fans gedacht haben, als ihr Verein 2017 doch noch in der 3. Liga bleibt. Als 18. der Tabelle der 3. Liga hat man eigentlich keine sportlichen Argumente. Gut, dass es in dieser Saison aber noch einen Verein gibt, der sich noch besser zu blamieren versteht als die Ostwestfalen. Es ist der TSV 1860 München. Der Deutsche Meister von 1966 steigt nach 1:1 und 0:2 in der Relegation gegen Jahn Regensburg aus der Liga ab, erhält für die 3. Liga keine Lizenz und muss direkt in die Regionalliga Bayern. Paderborn bleibt drin.

Als die Null an der Pader steht: Im Jahr 2000 heißt Schalkes Trainer Huub Stevens. Aber war der Niederländer nicht eigentlich in Paderborn? Der damals drittklassige SCP befolgt sein Credo „die Null muss stehen” besser als seine eigene Elf: In fünf Spielen vom 17. September bis 15. Oktober hält der SCP dicht, Vereinsrekord!

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Steffen Baumgart

immer voll auf Angriff:Am 16. April 2017 stellt der Verein Steffen Baumgart als Nachfolger von Stefan Emmerling vor, um den Verein in letzter Minute vor dem Abstieg in die Regionalliga zu retten. In den letzten fünf Spielen holt Baumgart mit Paderborn elf hervorragende Punkte, kann den sportlichen A…

André Breitenreiter

Der Aufstiegstrainer:Zwei Jahre lang lenkt Breitenreiter die Geschicke in Paderborn. Er kommt in der Spielzeit 2013/14, stellt die Mannschaft auf den Kopf und steigt mit ihr am Ende einer grandiosen Saison erstmals in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga auf. Doch aufgrund fehlender Rahmenbedingu…

Moritz Stoppelkamp

der Rekordtorschütze:Ein Elfmeter löst bei Stoppelkamp lediglich ein müdes Lächeln aus, das ist doch keine Entfernung. Der offensive Mittelfeldspieler läuft zwei Jahre lang im Paderborn-Trikot auf und trifft zehnmal für die Ostwestfalen. Am 4. Spieltag der ersten Bundesligasaison der Vereinsgeschich…

Daniel Brückner

der Kämpfer:Der linksfüßige Mittelfeldspieler gehört auch nach seinem Abgang zu den beliebtesten Spielern in der Geschichte Paderborns. Brückner kommt 2009 und trägt bis 2016 das blau-schwarze Trikot. In 197 Einsätzen trifft er 14-mal und feiert mit dem Verein den ersten Bundesligaaufstieg in der Ge…

Wilfried Finke

der Macher:Der Möbelunternehmer ist zu Lebzeiten der größte Unterstützer des SC. Von April 1997 bis Mai 2018 ist der gebürtige Paderborner Präsident und Hauptgeldgeber seines Heimatvereins. Während seiner Amtszeit steigt der SC viermal in die zweite Bundesliga (2005, 2009, 2011, 2018) sowie einmal i…

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Abb. 1.17.5 Wilfried Finke (r.) sorgt für den Aufschwung in Paderborn. Foto Imago Images/teutopress

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Stefan Effenberg

Chaos pur:Es ist ein kurzes Intermezzo zwischen Effenberg und Paderborn. Von Präsident Finke hochgepriesen, kommt „Effe” im Oktober 2015 nach Paderborn, um den auf dem 15. Tabellenrang stehenden Verein aus der Krise zu führen. 600 neugierige Zuschauer kommen zum ersten Training und nach einem 2:0-S…

Robert Hoyzer

der Skandal-Schiri:Das Ende seiner Schiedsrichterkarriere ist in Paderborn. In der ersten Runde des DFB-Pokals manipuliert Hoyzer das DFB-Pokalspiel Paderborn gegen den HSV. Hoyzer bekommt für den Betrug 64.000 Euro und einen Plasmafernseher, die Wettbetrüger machen 700.000 Euro Gewinn mit dem sabot…

Christian Beeck

der Kritiker:Der Sport1-Kolumnist zerlegte Paderborn in einem Kommentar zum Saisonstart 2015/16 gnadenlos. Mit „Paderborn hat einen klassischen Fehlstart hingelegt. Aus meiner Sicht hat der SC die Situation komplett unterschätzt”, beginnt der ehemalige Spieler von Union Berlin seinen Rundumschlag. …

Ante Sapina

das Mastermind:Der Kroate gilt als Mastermind und Drahtzieher des Wettskandals 2005. Mit Hilfe seiner beiden Brüder manipuliert er aus dem Berliner Café King heraus Fußballspiele in Deutschland und in ganz Europa. Robert Hoyzer ist einer seiner Helfer. Pech: Die Entdeckung von Hoyzer führt zur Entde…

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Abb. 1.17.6 Robert Hoyzer und der Wettskandal 2005. Foto: Imago Images/ HJS

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Klaus Gjasula – der mit dem Helm:Schön findet Klaus Gjasula seine Kopfbedeckung nicht, die eher an den amerikanischen Comic-Helden Magneto oder einen römischen Gladiator erinnert. Aber sie sorgt dafür, dass der Deutsch-Albaner weiter Fußballspielen kann. „Ich habe ihn ja nicht aus modischen Gründen auf, sondern weil ich mich damit sicherer fühle, seit ich mir den Jochbogen gebrochen habe", sagt der Profi des Bundesligisten SC Paderborn. Gjasula ist der einzige Spieler im deutschen Berufsfußball, der sich in der Saison 2019/20 auf diese Art vor Verletzungen schützt. Kommentare wie „Mädchen" oder „Spiel' lieber Schach" hat Gjasula zu Genüge gehört. Als sich Gjasula im Oktober 2013 den Jochbogen bricht, reicht die übliche Gesichtsmaske bei der Rückkehr auf den Rasen nicht mehr aus. „Also war ich froh, als unser Sponsor mir einen Helm aus Karbon bastelte und mir so ein schnelles Comeback ermöglichte", erzählt Gjasula. Der gebürtige Albaner läuft damals für den Regionalligisten Kickers Offenbach auf. Die Spezialanfertigung eines Sattlers muss erst noch den Stresstest des Hessischen Fußball-Verbandes überstehen, bevor die Zulassung erfolgt. Das erste Modell fällt noch durch, weil es zu hart ist und die Gegenspieler gefährdet. Also bessert die Firma nach und mischt Schaumstoff bei. Jetzt erteilt der Verband die Genehmigung. Gjasula zieht den Helm bei offiziellen Spielen nicht mehr aus. Im Training verzichtet er aber darauf.

André Schubert – Gedisst vom Ex-Arbeitgeber:André Schubert ist ein erfolgreicher Trainer in Paderborn. Im Jahr 2011 soll sein Etat um mehr als zehn Prozent gekürzt werden. Schubert sieht keine Erfolgschancen mehr und wechselt zum FC St. Pauli. Präsident Finke ist ob des Wechsels verärgert und erklärt fortan hartnäckig der Branche die charakterlichen Mängel von Schubert. Als Schubert in Hamburg entlassen wird, erfolgt ein besonders vergiftetes Lob. Finke bezeichnet Schubert als fachlich guten Trainer, der aber ein Problem mit seiner Dünnhäutigkeit und mangelnder Kritikfähigkeit habe. Ungefragt vermutet Finke, dass Schubert bei St. Pauli die gleichen Fehler gemacht habe wie in Paderborn.

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Abb. 1.17.7 Klaus Gjasula (l.) mit Helm im Spiel gegen Diego Demme von RB Leipzig (r.) am 30.11.2019. Foto: Imago Images/ pmk

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Ein Skandal-Klub wider Willen…Man kann dem SC Paderborn nicht vorwerfen, dass er die Skandale und Peinlichkeiten in seinem Dunstkreis selbst verschuldet hat. Jedenfalls nicht immer… Irgendwie schlittern die Ostwestfalen immer wieder so rein. Sie müssen sogar das Schlimmste erfahren, was einem Fußballteam nachgesagt werden kann: Korruptionsverdacht!

Das Effenberg-Theater: Selten hatte ein Trainer einen größeren „Surreal"-Faktor als die Vorstellung von Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg beim SC Paderborn. „Effe" muss in der Pressekonferenz am 13. Oktober 2015 selbst schmunzeln: „Ich bin es wirklich." Und dann kopiert er den kurz zuvor in Liverpool eingestiegenen Jürgen Klopp ("I am the normal One"): „I am the new One". Zu allem sportlichen Misserfolg kommt später noch heraus, dass die Trainerlizenz von Effenberg ungültig ist, weil er die vorgeschriebenen Nachschulungen nicht besucht hat.

Das Hinterteil im Trainingslager: Ein Skandal im Trainingslager in der Türkei beschleunigt dabei das „Aus" von Effenberg in Paderborn. Stürmer Nick Proschwitz entblößt in der Sportsbar eines 5-Sterne-Hotels in Belek in Anwesenheit einer Angestellten der organisierenden Agentur sowohl sein Geschlechts- als auch sein Hinterteil. Proschwitz fliegt aus dem Team, Effenberg folgt am 1. März 2016.

Farm-Team von RB Leipzig – und dann doch nicht! Der SC Paderborn scheint nach seinem zweiten Aufstieg in die Bundesliga 2019 in eine Falle zu laufen. Der Plan: Das Team soll eine Art „Farm-Mannschaft" von Champions League-Teilnehmer RB Leipzig werden. Treibende Kraft ist der frühere SCP-Manager Markus Krösche, der nach dem Bundesliga-Aufstieg zu den „Roten Bullen" wechselt. Nachdem die Fans in Paderborn Sturm gegen die „Red Bullisierung" ihres Klubs laufen, wird die Kooperation Mitte Juni 2019 „aufgrund unterschiedlicher Ansichten" wieder beerdigt. Eine Posse made in Paderborn…

Wie heißen sie denn nun eigentlich? Fußball in Paderborn, das hat nur wenig mit Kontinuität zu tun. In nur wenigen Orten wird der Vereinsname des führenden Klubs so oft geändert wie in Paderborn. Am 14. August 1907 wird der „Fußballverein Arminia Neuhaus" als erster Fußballverein im Kreis Paderborn gegründet. Er ist einer der vier Vorgängervereine des heutigen SC Paderborn 07 e. V. Die drei Urvereine, aus denen der heutige SC 07 entsteht, sind der FC Preußen Paderborn von 1908, der ein Jahr ältere SV 07 Neuhaus und der TuS Sennelager von 1910. Der FC Preußen Paderborn wird am 1. Dezember 1908 gegründet. 1913 spaltet sich der SV 1913 Paderborn ab. Der Rest des FC Preußen heißt von nun an VfB Paderborn, ab 1920 VfJ 08 Paderborn. 1968 vereinigen sich die beiden Vereine wieder zum 1. FC Paderborn. Dieser ist ab 1970 dauerhaft in der Amateurliga Westfalen vertreten. Die beste Platzierung bis 1977 ist der vierte Rang. Der 1. FC Paderborn fusioniert schließlich 1985 mit dem TuS Schloß Neuhaus. Dieser Klub ist selbst ein Fusionsklub. Iss klar, ne? 1973 vereinigt sich die Fußballabteilung des TuS Sennelager mit dem 1907 im gleichnamigen Stadtteil SV 07 Neuhaus zum TuS Schloß Neuhaus. Der TuS steigt 1982 als Westfalenmeister in die 2. Bundesliga auf, die er aber 1983 als Tabellenletzter wieder verlassen muss. Nach zwei fünften Plätzen in den Folgejahren fusioniert der TuS mit dem 1. FC Paderborn zum TuS Paderborn-Neuhaus. Diese Bündelung der gesamten Paderborner Power 1985 bringt 20 Jahre später den (Wieder-) Aufstieg in die 2. Bundesliga. 1994 macht der TuS von sich reden, als er zwar in den Aufstiegsspielen zur 2. Liga scheitert, dafür aber in die neu gegründete Regionalliga West-Südwest aufgenommen wird. Der 1997 zu SC Paderborn 07 umbenannte Verein steigt 2001 in die Oberliga ab, und kehrt 2005 in die 2. Bundesliga zurück. Damit sind die Voraussetzungen für den später als „Wunder von Paderborn" bezeichneten Aufstieg in die 1. Liga im Jahr 2014, geschaffen – wenn auch über Umwege…

SC Paderborn 07
Abb. 1.17.8 Stefan Effenberg wird beim SC Paderborn schnell wieder „entsorgt". Fünf Monate dauert sein Encounter mit Ostwestfalen vom Oktober 2015 an. Foto: Imago Images/ DeFodi

Wer mag eigentlich Paderborn? Die Rubrik „Fan-Rivalitäten" ist eigentlich nur beim FC Bayern München und bei RB Leipzig praller gefüllt als beim SCP. Wenn es gegen Paderborner geht, stehen Westfalen und Niedersachsen anscheinend zusammen wie zuletzt im Dreißigjährigen Krieg. Neben dem ostwestfälischen Erzrivalen Arminia Bielefeld wird der SC Paderborn auch von den Fans der niedersächsischen Traditionsklubs VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig kalt verachtet. Auch die Anhänger von Borussia Dortmund, Preußen Münster, der Sportfreunde Siegen, Rot-Weiß Ahlen und Lippstadt 08 haben eine Allianz gegen den SC Paderborn geschmiedet.

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Der SC Paderborn ist in den Hoyzer-Skandal verwickelt und hat Stefan Effenberg als Trainer. Wir haben es oft genug in diesem Dossier beschrieben. Doch es gibt noch diese Fun Facts: – Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs.

Platzierungs-Spiele: Der SC Paderborn ist der einzige deutsche Profiklub, der in den letzten sechs Jahren (Stand: Dezember 2019) am Ende einer Saison nur auf zwei Tabellenplätzen steht. Entweder 2. oder 18. So ist es in der Saison 2018/19 in der 2. Liga – Platz 2 und Aufstieg. In der Saison 2017/18 (3. Liga) steht man ebenfalls auf Rang 2. Voran gehen zweimal Platz 18 – 2016/17 in der 3. Liga und 2015/16 in der 2. Liga. Die erste Bundesliga-Saison schließt man 2014/15 ebenfalls als 18. ab. Wieder ein Jahr vorher steht man in der 2. Liga auf Platz zwei – und steigt auf. Die Folge: „Abstieg oder Champions League", wie der Berliner TAGESSPIEGEL am 31. Juli 2019 tippt…

Der Vier-Minuten-Profi: Vier Minuten Bundesliga – so könnte später einmal der Titel für die Autobiographie von Thomas Bertels lauten. Der verletzungsanfällige Stürmer steht in der Bundesliga-Premierensaison der Ostwestfalen 2014/15 nur vier Minuten auf dem Rasen. Beim 0:0 gegen den 1. FC Köln wird er am 3. Spieltag für Daniel Brückner eingewechselt. Eine Fußverletzung mit Komplikationen macht weitere Einsätze unmöglich.

Rekordschütze mit sechs Treffern: Elias Kachunga – Das ist der Rekord-Torjäger des SC Paderborn in der Bundesliga. Jedenfalls bis zum Saisonstart 2019/20. Der Deutsch-Kongolese wechselt nach dem Bundesliga-Abstieg 2015 zum FC Ingolstadt und bleibt noch ein Jahr erstklassig.

Holli, die „Mighty Mouse": Das Maskottchen der Paderborner heißt Holli, ist eine Maus und misst 1,83 m. Es trägt das Trikot mit der Rückennummer 7 und wird 2009 Deutscher Meister bei den Fußball-Maskottchen in der Sprintwertung. Das ist doch was!

SC Paderborn 07
Abb. 1.17.9 Steffen Baumgart ist für den rasanten Aufstieg des SC Paderborn verantwortlich. Foto: Imago Images/ Sven Simon, Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

In jeder Hinsicht am Ende: In der ersten Bundesliga-Saison 2014/15 sind die Paderborner Rookies mit nur vier Siegen schlechtestes Heim-Team der Liga und mit nur drei Erfolgen auf fremden Plätzen, darunter dem legendären 3:0 in Hamburg, auf Platz 16 in der Auswärts-Tabelle.

Der Dauerbrenner: Torhüter Lukas Kruse ist der einzige Spieler des SC Paderborn, der 2014/15 alle 34 Partien in der Fußball-Bundesliga über die vollen 90 Minuten absolviert.

Rekordspieler: Rekordhalter in der 2. Liga ist Ex-Sportdirektor Markus Krösche (194 Einsätze), der auch die meisten Gelben Karten sammelt (41 + 2 Gelb-Rote). Die meisten Tore im Unterhaus schießt Mahir Saglik (34).

Von Platz 1 zum Abstieg: Mindestens einmal Tabellenführer und am Ende abgestiegen. Dieses Schicksal ereilt den SC Paderborn 2014/15 als sechsten Klub in der Bundesliga-Historie.

Special Moments

Die Tribute von München: Wie Ismaik Paderborn den Klassenerhalt schenkt

Es geschieht am 02. Juni 2017. Stille. Eine Stille so schwer, dass man sie fühlen kann. Schwer wie Blei. Es ist so still in der Kabine des TSV 1860 München, dass die Spieler das Blut in ihren Ohren rauschen hören. Die letzten Worte von Trainer Vitor Pereira hallen in den Köpfen der fassungslosen Mannschaft nach: „Es wird nächste Saison keine 3. Liga mehr für uns geben." Keine 3. Bundesliga. Abstieg. Amateurbereich.

Investor Hasan Ismaik hat sich tatsächlich geweigert, die notwendigen Zahlungen zum Drittligaerhalt zu leisten. Der Mann, der gekommen ist um die Löwen aus der (Finanz-) Krise und zu alter Größe zu führen, bedeutet an diesem Freitag im Juni den endgültigen Untergang. Niemand hat geglaubt, dass er wirklich ernst macht. Stille. So laut, dass niemand sie zu durchbrechen wagt. Kein Flehen, kein Betteln, kein kraftloses Kopfschütteln kann die Entscheidung des jordanischen Investors verhindern.

Taubheit breitet sich aus. Auf sie folgt Wut. Sportlich hat man die Ligazugehörigkeit nicht verloren. Wäre da nicht das Geld, das am Ende fehlt. Wären da nicht Überheblichkeit und Arroganz eines Einzelnen, die diesen Traditionsverein ins Tal der Tränen stürzt und gleichzeitig einer anderen Mannschaft den Ligaerhalt ermöglicht.

„Des einen Freud, des anderen Leid!", Steffen Baumgart lacht und schiebt kopfschüttelnd das Handy in die Hosentasche. Wer hätte das gedacht? Noch vor wenigen Stunden hat der neue Trainer des SC Paderborn 07 über die richtige Wortwahl für die kommende Abstiegspressekonferenz gegrübelt. Nun muss er all die zurechtgelegten Phrasen gänzlich umformulieren: Paderborn bleibt in der Liga. Die symbolische rote Laterne bereits ans blau-schwarze Klubhaus gehängt hätte der 18. Platz in der Spielzeit 2016/17 eigentlich den Abstieg in die Regionalliga West bedeutet. Eigentlich.

Steffen Baumgart sitzt an diesem geschichtsträchtigen Freitag im Juni in seinem Wagen, als das Handy klingelt. In letzter Zeit klingelt es ständig. Der Verteidigungsmechanismus ist aktiviert. „Wer ist es diesmal? Wer will nun etwas über den dritten Abstieg im dritten Jahr erfahren? Woher haben all diese Leute überhaupt meine Handynummer?", die immer gleichen Fragen kreisen durch seinen Kopf. Noch keine sechs Wochen im Amt und schon läuft alles aus dem Ruder. „Wir haben seit Wochen nur gewonnen", murmelt Baumgart zu sich selbst. „Wo liegt überhaupt das Problem?"

Recht hat er. Sieg gegen Lotte, Sieg gegen Fortuna Köln, Sieg gegen Preußen Münster. Vorgänger Stefan Emmerling hat die Misere des 18. Tabellenplatzes zu verantworten, nicht er. Seit seiner Ankunft in Paderborn hat die Mannschaft nicht einmal verloren. Doch warum klingelt jetzt schon wieder das blöde Telefon?

Ein weiterer Journalist auf der Suche nach einer Schlagzeile? „Sportlich gehören wir in die Profiliga. Basta.", sagt Baumgart zu sich selbst und geht ran. Es ist der 02. Juni 2017, als ein Schrei die Stille in der Paderborner Kabine zerreißt. Ein Schrei der Freude und Erleichterung. Ein Schrei so leicht wie eine Feder. Die letzten Worte von Trainer Steffen Baumgart hallen in den Köpfen der fassungslosen Mannschaft nach: „Es wird nächste Saison wieder 3. Liga für uns geben." 3. Liga. Kein Abstieg. Profibereich. Freude breitet sich wie eine warme Welle in der Kabine aus. Ein Gesicht nach dem anderen leuchtet auf. Was unmöglich erschien, ist auf einmal Realität. Einfach so.

33. Autor: Sophie Hargesheimer↩

SC Paderborn 07
Abb. 1.17.10 Er sorgt im Jahr 2017 dafür, dass Paderborn in der 3. Liga bleiben darf – Hasan Ismaik. Foto: Imago Images/ Sven Simon

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

„Der Andrang war größer als beim Hoyzer-Skandal."

Wilfried Finke zur Effenberg-Pressekonferenz

„Wer uns kennt, weiß, dass wir die Eier haben, so zu spielen". Steffen Baumgart

Trainer beim SC Paderborn) - August 2019, nach dem Aufstieg in die Bundesliga

„Wenn Paderborn den Durchmarsch schafft, renne ich nackt um den Michel."

Ex-Erstliga-Profi Nico Patschinski wartet vor Saisonbeginn 2018/19 mit einer gewagten Wette auf. Und konkretisiert seinen Wetteinsatz am Ende der Aufstiegssaison: „Ich meine natürlich nicht den Hamburger Michel, sondern Paderborns Sven Michel."

„Ich spiele Zweite, weil es keine Dritte gibt."

Aufdruck auf dem T-Shirt, das SCP-Reservist Felix Herzenbruch beim Heimspiel gegen den Hamburger SV trägt.

„Ich hoffe, Wilfried Finke sitzt jetzt gemeinsam mit unserem Ehrenpräsidenten Bernhard Temming da oben im Himmel und die beiden machen ein Fässchen auf."

Geschäftsführer Martin Hornberger über die beiden im Jahr 2019 verstorbenen SCP-Präsidenten.
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Andere Vereine

Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

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Über dieses Projekt

„AKTE PADERBORN" ist ein Dossier über SC Paderborn 07. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Carsten Germann, Thomas Look & Udo Muras
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar